Michael Lenz: Der Film ‚Der Club der toten Dichter’ im UFP-Unterricht (Fortsetzung I)
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„‘O Captain, mein Captain!’ Wer weiß, von wem das ist? ... Wer weiß es? ... Keine Ahnung? ... Es ist aus einem Gedicht von Walt Whitman über Mr. Abraham Lincoln. Also, Sie sprechen mich entweder mit Mr. Keating an – oder, wenn Sie etwas mutiger sind, sagen Sie ‚O Captain, mein Captain!’“ John Keating (zu seinen Schülern in der ersten Unterrichtsstunde) |
In den folgenden Abschnitten wird zunächst eine kurze inhaltliche Zusammenfassung des Films ‚Der Club der toten Dichter’ geliefert, gefolgt von weiteren Hintergrundinformationen zum Film und den diesbezüglichen Medien bzw. Materialien (Bücher zum Film). Abschließend erfolgt die Präsentation der Ergebnisse einer eingehenden Literaturrecherche bezüglich des Films. Diese Sekundärliteratur wird in Kurzform inhaltlich analysiert und systematisiert.
Der Film spielt im Jahr 1959. Handlungsschauplatz ist die Welton-Akademie, ein erzkonservatives Jungeninternat in den Bergen vom Vermont nahe der Ostküste der Vereinigten Staaten (vgl. Abb. 1). Als Vorbereitungsschule für Elite-Universitäten und mit einer einhundertjährigen Tradition lauten die Grundprinzipien dieser Institution: Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung. Dieselben werden von den Schülern heimlich jedoch in Travestie, Ekel, Dekadenz und Lethargie übersetzt. Mit Beginn des neuen Schuljahres treten zwei - in dieser Institution neue - Charaktere auf: Lehrer John Keating (im Film gespielt von Robin Williams; vgl. Abb. 2) übernimmt als ehemaliger Absolvent der Welton-Akademie und Lehrer für Englisch an der Londoner Chester-Schule den Englischunterricht. Der neue Schüler Todd Anderson (im Film gespielt von Ethan Hawke; vgl. Abb. 3) soll an der Welton-Akademie in die Fußstapfen seines Bruders Jeffrey Anderson treten, einem überragenden Absolventen der Welton-Akademie und Jahrgangsbesten. Der Schulalltag der Schüler ist gekennzeichnet durch Faktenlernen, klassischen Frontalunterricht und wenig Freizeit (vgl. Abb. 4).
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Abb.
1: Die Welton-Akademie |
Abb.
2: Die Lehrer John Keating (rechts) |
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Abb.
3: Ethan Hawke als Todd Anderson, |
Abb.
4: Schulalltag in Welton |
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Abb.
5: Robert Sean Leonard als Neil |
Abb. 6: Charlie
Dalton, Knox Overstreet |
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Abb.
7: Richard Cameron – ein „Opportu- |
Abb.
8: Keating (Robin Williams) - eher |
Für die Schüler steht das Erlangen guter Beurteilungen im Vordergrund, um die hohen Erwartungen, die ihre Eltern in sie gesetzt haben, zu erfüllen. Rückhalt bietet den Schülern dabei nur die gegenseitige Hilfe unter den Schülern. Der schüchterne Todd Anderson wird zu Beginn sehr schnell durch seinen Zimmerkameraden Neil Perry (im Film gespielt von Robert Sean Leonard; vgl. Abb. 5) in eine derartige Lern- und Freundesgruppe integriert. Diese besteht aus recht unterschiedlichen Charakteren: Neben Neil, der unter seinem strengen Vater leidet, und Todd gehören zu dieser Gruppe die Schüler Charles Dalton (Charlie), Knox Overstreet, Steven Meeks (vgl. Abb. 6) und James Cameron (vgl. Abb. 7).
Schon bald wird klar, inwieweit sich der Lehrer Keating von seinen traditionsbewußten Kollegen unterscheidet: Er läßt sich von mutigen Schülern als „O Captain, mein Captain!“ ansprechen, rezitiert Gedichte als Kunst (vgl. Abb. 8), animiert die Schüler dazu, ein extrem wissenschaftliches Beurteilungskapitel zur Lyrik, nach dem sich der Wert von Gedichten mittels eines Koordinatensystems vermessen läßt, aus ihren Büchern herauszureißen (vgl. Abb. 9), ermutigt sie zu selbständigem Denken und hält ihnen in der Eingangshalle vor den Bildern ehemaliger Absolventen Vorträge über seine Lebenseinstellung: „Carpe diem! Nutze den Tag! Macht etwas außergewöhnliches aus Eurem Leben!“. Um den Schülern die Vorteile des Perspektivenwechsels zu verdeutlichen, läßt er sie einzeln auf das Pult des Lehrers steigen und somit den Klassenraum in einem anderen Blickwinkel betrachten (vgl. Abb. 10). Neil verinnerlicht diese Prinzipien stark und bringt in Erfahrung, daß Keating zu seiner Schulzeit Mitglied im ‚Club der toten Dichter’ war, einem Geheimbund, dessen Mitglieder sich in nächtlichen Sitzungen in einer Höhle fremde oder selbst geschriebene Gedichte vorlasen. Sie verstanden sich als Romantiker mit dem Ziel, „das Mark des Lebens in sich aufzusaugen“. Von Keating dazu ermuntert ruft Neil mit seinen Freunden den Club erneut ins Leben. Sie treffen sich in abenteuerlichen „Nacht- und Nebelsituationen“ in der besagten Höhle, zitieren Gedichte und geben sich Ausschweifungen wie Zigaretten und Alkohol hin (vgl. Abb. 11, 12). Keating scheint indessen in seinem Unterricht mit Hilfe seiner unkonventionellen Methoden, die vereinzelt schon an Manipulation und Psychoterror grenzen, das Unmögliche zu vollbringen: Es gelingt ihm, Todd von seiner Schüchternheit und emotionalen Hemmung zu befreien (vgl. Abb. 13). Die Bewunderung der Schüler (aber nicht aller!) für ihren Lehrer steigert sich immer mehr (vgl. Abb. 14).
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Abb.
9: Neil reißt auf Keatings Anweisung |
Abb.
10: Keating verdeutlicht das Einneh- |
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Abb.
11: Die Jungen bei Nacht auf dem |
Abb. 12: Poesie,
Romantik und Tabak- |
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Abb.
13: Keating erlöst Todd im Unterricht |
Abb. 14: Neil
ist fasziniert von |
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Abb.
15: Keating wird von seinen Schü- |
Abb. 16: Charlie
als Nuwanda mit aufge- |
Der Höhepunkt dieser Entwicklung kommt in einer Szene zum Ausdruck, in der die Schüler Keating - bei untergehender Sonne und mit Beethovens Musik zu „Freude schöner Götterfunken“ untermalt - auf Händen über den Sportplatz tragen (vgl. Abb. 15 sowie Titelbild).
Doch die Ereignisse steuern immer mehr auf eine fatale Wende hin: Neil entdeckt seine Liebe zum Theater und will gegen den Willen seines Vaters die Hauptrolle in einer Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum spielen. Knox verzehrt sich vor Liebe zu dem Mädchen Chris, die bereits mit dem eher rüpelhaften Chet Danburry verlobt ist. Es gelingt ihm erst zum Ende des Films hin, Chris für sich zu gewinnen. Charlie benennt sich bei einem Clubtreffen in „Nuwanda“ um (vgl. Abb. 16) und veröffentlicht im Namen des ‚Clubs der toten Dichter’ in der Schülerzeitung ‚Welton Honors’ einen Artikel, in dem gefordert wird, in Welton auch Mädchen aufzunehmen. Als Rektor Nolan (vgl. Abb. 17) die Schüler in der Kapelle zusammenruft und versucht, den für den Artikel Verantwortlichen zu finden, gibt sich Charlie als Verfasser mittels einer provokativen Inszenierung zu erkennen (vgl. Abb. 18) und wird von Nolan in dessen Büro gezüchtigt (vgl. Abb. 19).
Für Neil entwickelt sich jedoch seine Liebe zum Theater zum katastrophalen Dilemma: Als sein Vater (vgl. Abb. 20) erfährt, daß Neil für die Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum probt, untersagt er ihm in strengster Weise, an der Aufführung teilzunehmen. Als Neil trotz dieses Verbots an der Premierevorstellung teilnimmt (vgl. Abb. 21), holt ihn sein Vater nach Hause und kündigt an, ihn auf eine Militärakademie zu schicken. In seiner Verzweiflung begeht Neil Selbstmord (vgl. Abb. 22). Die Schulleitung reagiert auf Neils Selbstmord mit einer Untersuchung. Für Neils Tod wird letztendlich Keating verantwortlich gemacht. Die Mitglieder des nun bekannten ‚Clubs der toten Dichter’ werden genötigt, ein Keating belastendes Dokument zu unterschreiben. Charlie wird der Schule verwiesen, da er seine Unterschrift verweigert. Nachdem bereits Cameron die Namen der anderen Clubmitglieder verraten hat und Meeks sowie Knox diese Anklageschrift unterzeichnet haben, wird auch Todd von seinen Eltern zur Unterschrift gezwungen.
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Abb.
17: Rektor Nolan auf der Suche |
Abb. 18:
Charlies „Anruf von Gott“ |
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Abb.
19: Rektor Nolans Antwort an Charlie: |
Abb. 20: Mr.
Perry verbietet Neil die |
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Abb. 21: Neil als ‚Puck’ in Shakespeares Sommernachtstraum |
Abb. 22: Neil
begeht mit dem Revolver |
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Abb.
23: Todd Abschiedsovation für |
Abb. 24: Die Hälfte
der Schüler folgt |
In der Schlußszene betritt der von der Schulleitung entlassene Keating noch einmal das Klassenzimmer, um seine persönlichen Sachen zu holen. Rektor Nolan selbst hat den Unterricht in Englisch übernommen und lobt gerade das von Keating verhaßte Beurteilungskapitel zur Lyrik. Die Schüler sitzen ratlos und verlegen an ihren Tischen. Kurz bevor Keating den Raum verläßt, nimmt Todd all seinen Mut zusammen, steht auf und ruft Keating nach, man habe ihn zur Unterschrift gezwungen. Nach heftigen Einschüchterungsversuchen durch Rektor Nolan steht Todd auf, steigt auf sein Pult und ruft Keating an mit „O Captain, mein Captain!“ (vgl. Abb. 23). Trotz der Verwarnungen durch Rektor Nolan folgt fast die Hälfte der Klasse Todds Beispiel (vgl. Abb. 24). Der Film endet damit, daß sich Keating bei „seinen“ Jungen für diesen Vertrauensbeweis bedankt.
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